|
| |
Thema: Mein Himmel

|
Astronomie in der Stadt:
Die Probleme sind vielschichtig - es wird niemals wirklich dunkel, die Luftunruhe ist
immer gegeben und im Winter wird sie durch die aufsteigende Wärme der beheizten Wohnungen
noch verstärkt. Trotzdem habe ich eigentlich gute Voraussetzungen:
Ich wohne im 16ten Stock und habe damit einen großen Teil des Lichtes unter und nicht
neben mir. Mein Blick geht nach Südwest und da ist nichts, das die Aussicht stören
könnte. Der Balkon ist breit genug, um das Teleskop draußen der Außentemperatur
anzupassen und sich dann normal zu bewegen.
Außerdem hat die Beobachtung in der Stadt auch ihre großen Vorteile: Da keine langen
Vorbereitungen und kein Fahrweg anfällt, schaut man auch mal nur so am Himmel herum;
beobachtet auch mal nur kurze Zeit und auch bei nicht optimalen Wetterbedingungen. Sogar
im Winter bei klirrender Kälte ist eine Stipvisite auf dem Balkon immer machbar - zum
Aufwärmen ist es ja nur einen Schritt.
Die Helligkeit ist das größte Problem. Mit bloßem Auge sehe ich gerade mal so bis 2
mag; mit dem Fernglas (10x50), wenn ich einige Zeit spazieren sehe, immerhin bis 3 mag,
ganz manchmal auch bis 4 mag. Die Milchstraße habe ich hier noch nie gesehen und sogar
der Orionnebel hat sich bisher nur als winziger, verwaschener Fleck gezeigt (wohlgemerkt,
mit dem ETX). Mit dem Dobson ist er dann eben ein großer verwaschener Fleck, aber
immerhin mit erkennbarer Struktur.
Da ich - vor vielen Jahren - am Rande des Schwarzwaldes fernab jeder Ortschaft einige
Jahre lebte, kenne ich durchaus den Anblick der Milchstraße, das Gefunkel am nächtlichen
Himmel und die visuelle Betrachtung (ohne optische Hilfsmittel!) von Sternhaufen und
Nebeln. Irgendwie hatte ich wohl gehofft, optische Hilfsmittel könnten dieses Bild auch
in der Stadt bewirken. Sie können es nicht (jedenfalls nicht meine)!
Was läßt sich in der Stadt nun so beobachten?
Da sind zunächst die hellen Sterne.... halte ich diese einige Zeit im Sucher, zeichnen
sich nach und nach evtl. dunklere Sterne in der Nachbarschaft ab. Aber ein Sternenmeer ist
so natürlich nicht zu erkennen. Die unterschiedlichen Farben mancher Sterne sind durchaus
interessant. Das Trennen von Doppelsternen ist es ebenso (wenn die Optik es mitmacht).
Sternhaufen, egal, ob offen oder kugelförmig, stellen reizvolle Objekte dar - jedes
Teleskop braucht ein Fernglas zur Ergänzung :-)
DeepSky-Objekte sind in der Stadt größtenteils nicht auszumachen. Sicher gibt es
Ausnahmen (wiederum: sofern die Optik es mitmacht), wie z.B. den Orionnebel.
Mit dem Dobson dringe ich natürlich tiefer in den Himmel wie mit dem ETX. Ich 'hangle'
mich dabei mit dem 40mm-Okular von Stern zu Stern, bis ich in etwa dort ankomme, wo ich
hin will. Auf diese Weise finde ich auch so etwas wie den M13, den Ringnebel oder den
Hantelnebel - aber es sind mehr oder weniger verwaschene Fleckchen in der Dunkelheit, die
ihre Details nicht wirklich preisgeben wollen. Und trotzdem sind sie ein Erlebnis! Schon
das Auffinden ist ein Erfolg und jede weitere Betrachtung schärft das Auge für die
Objekte. |

|
Astronomie ist keine Sache allein der Nacht! Auch bei Tage
läßt sich manches entdecken - sei es Venus mit bloßem Auge oder seien es die
Sonnenflecken in ihrer wechselhaften Form (wobei für die Sonne unbedingt ein Filter
verwendet werden muß!). Hin und wieder erreichen sie gewaltige Ausmaße und interessante
Formen; manchmal zeigen sie sich nur klein und verstreut. Die Sonne bietet jeden Tag einen
anderen Anblick - auch ohne Protuberanzenansatz und H-alpha-Filter (was nicht heißt, daß
mich eine Beobachtung mit diesen Hilfsmitteln nicht reizen würde - sie sind mir nur zu
teuer :-)) |
 |
Die Jahrbücher sprechen vom störenden Mondlicht - einfach,
weil dessen Helligkeit die Beobachtung von DeepSky-Objekten verunmöglicht. Aber trotz
Mondschein lassen sich z.B. Doppelsterne gut beobachten. Und natürlich der Mond selbst! Für Städter ist er das Beobachtungsobjekt Nr.1 und auch nach vielen
Beobachtungsnächten wird er nicht langweilig. Es ist reizvoll, die Schattenspiele entlang
des Terminators zu betrachten, Rillen zu suchen, Berge zu erkennen und - je nach
Luftunruhe - immer kleinere Krater scharf zu betrachten.
Auch Sternbedeckungen durch den Mond (die Jahrbücher nennen die
genauen Daten) sind reizvolle Beobachtungsobjekte und wenn er gar den Planeten nahe kommt,
gibt es viel zu sehen. |
 |
Der Tanz der Monde um Jupiter ist schon mit kleinen Öffnungen,
oft auch mit dem Fernglas, zu beobachten - zumindest, sofern es sich hierbei um die vier
hellsten Monde handelt. Weitere Details wie die
Wolkenbänder habe ich allerdings erst mit dem Dobson sehen können - ohne jeden
Filtereinsatz in einer Nacht mit durchschnittlichem Seeing. Das ETX war in der Stadt nicht
in der Lage, dies zu zeigen. Die Schärfe, der Detailreichtum und die Klarheit der
Abbildung mit dem Dobson ist beeindruckend - und immer wieder aufs Neue faszinierend. |

|
Saturn zeigt sich bei kleiner Öffnung oft genug nur als
länglicher Stern. Erst die größere Öffnung arbeitet dann die Ringe deutlich heraus und
ist sogar imstande, ein paar Wolkendetails auf dem Planeten zu offenbaren. Auch die Monde
des Saturn zeigen sich dem ETX nicht, wohl aber dem Dobson. (Die
Bilder entstanden übrigens mit Hilfe digitaler Kameras, die durchs Okular fotografiert
haben. Sie wurden dann im Rechner nachgeschärft und bearbeitet.) |
zurück
zur Startseite
|