|
| |
Thema: Lehrgeld

|
Angefangen hat alles Mitte der 90er Jahre mit dem Versuch eines
Einstiegs in die Astronomie. Natürlich sollte das alles erst mal nicht viel kosten und so
versuchte ich es mit einem kleinen Refraktor, dessen Wackelstativ keine Scharfstellung
zuließ und dessen Optik nicht viel mehr als ab und zu einen verwaschenen Fleck am Himmel
zeigte. Dann kam ein 4,5" Reflektor, dessen Stativ etwas besser war, dessen Optik
aber auch nicht allzu viel taugte - kurz: ich gewann die Erkenntnis, daß Astronomie kein
Hobby ist, das man in der Stadt betreiben kann.
Ein Jahr später versuchte ich es erneut. Aber nachdem diese 'billigen' Geräte mir
bewiesen, daß man nur mit einer guten Optik auch ein gutes Bild bekommen kann, war ich
geneigt, den teuren Hochglanzprospekten der Teleskop-Industrie eher zu glauben. Und ich
machte mich auf die Suche nach einem Kompromiß zwischen Leistung und Kosten. |

|
Wenn auf der bunten Verpackung eines 10cm-Kaufhaus-Teleskopes
steht, daß man damit problemlos bis zu 500fache Vergrößerungen benutzen könne, dann
meinen die Astronomen lächelnd (und wissend), daß man Werbung eben nicht glauben solle.
Mir war schon klar, daß maximal der doppelte Öffnungsdurchmesser als sinnvolle
Vergrößerung möglich blieb.
Information ist bekanntlich alles - aber obgleich es eine Menge an Literatur zum Thema
Astronomie gibt, findet sich doch kein brauchbarer Einkaufsführer (zumindest ich fand
keinen). Also blieb mir nichts anderes übrig, als erst einmal in Prospekte zu investieren
- verlangte doch jeder Händler 10 - 15 Mark für sein Infopaket, das dann doch immer nur
die gleichen Kataloge enthält.
Auf diesem Weg begegnete ich dem ETX von Meade - und fiel, wie man landläufig sagt, voll
auf die Schnauze. Es handelt sich dabei um ein 90mm Maksutow. Wie der billigste
Kaufhauslieferant prahlt Meade 'Bei 190x war das Bild immer noch knackscharf. Das
Sternbild bei 350x war wie im Lehrbuch.'
Ich will nun nicht behaupten, daß die Optik des ETX schlecht sei - bis zur circa
100fachen Vergrößerung zeichnet das Gerät durchaus scharf. Allerdings ist es mir bisher
nie gelungen, damit, wie im Prospekt angekündigt, Rillen auf dem Mond zu erkennen oder
gar Details auf dem Mars! Immerhin: gut am ETX ist das Plössel-Okular der Serie 4000 mit
26mm.
Okay, ich wohne in der Stadt, kämpfe meist mit Luftunruhe und richtige Dunkelheit gibt es
hier auch nicht. Möglicherweise sieht das alles ganz anders aus, wenn man irgendwo im
'finsteren' Walde beobachten kann. Allerdings - in wirklich dunklen Landgegenden - sieht
man (ich!) mit bloßem Auge durchaus deutlich mehr als in der Stadt mit dem ETX, das ich
bisher nicht einmal dazu überreden konnte, Doppelsterne vernünftig zu trennen. Wobei
noch anzumerken ist, daß die astronomischen Ziele mit dem winzigen 8x21-Sucher ohnehin
kaum aufzuspüren sind.
Mir fehlt der Vergleich zu preislich ähnlich gelagerten 90mm-Geräten, aber ich denke
nicht, daß die Optik schlecht ist. Die Montierung ist es auf alle Fälle. Die
äquatoriale Gabelmontierung hat angeblich Feinbewegungen - ich empfand sie immer als grob
und, vor allem im Winter, als äußerst zähgängig. Die batteriebetriebene Nachführung
funktioniert auch nur so lange, wie nichts anderes als ein normales Okular das ETX
belastet; ist dies der Fall, wird sie ungenau. Meade schlägt vor, das ETX auf ein
Fotostativ zu schrauben - geht problemlos. Allerdings wackelt das Ganze dann beim
leisteten Windhauch 'wie ein Lämmerschwanz'.
|

|
Mir wurde schließlich klar, daß für rein visuelle
Beobachtungen die Nachführung eine hübsche, aber teure und in diesem Fall auch
unpraktische Sache ist. Ich habe dann das ETX von seiner Gabelmontierung und Nachführung
befreit, auf ein 'vernünftiges' Stativ gesetzt und hatte von diesem Tag an wieder Freude
an der Astronomie. Wenn so ein Tubus erst mal nicht mehr wackelt, ist er fast ein
'richtiges' Teleskop :-)
Ich würde heute keinem Einsteiger zu einem ETX raten; für das Geld bekommt er durchaus
bessere Teleskope. Als Zweitgerät aber ist es bestimmt mehr als nur brauchbar. Die
kompakte Bauform und das leichte Gewicht erlauben es, das ETX mit aufs freie Land zu
nehmen und ohne große Umstände dort aufzubauen. Das geht sogar mit dem von mir
verwendeten Stativ.
|

|
1999 wagte ich dann einen weiteren Versuch, um endlich Sterne
sehen zu können. Ich hatte genug 'Lehrgeld' bezahlt und wußte, daß mich weder
Billig-Teleskope noch die Versprechungen der Kataloge meinem Ziel näher bringen konnten.
Ich hörte mich um, auch in einschlägigen Newsgroups. Dort hieß es dann meist, daß ein
'guter' Reflektor das einzig Wahre sei. Große Öffnungen würden in der Stadt nur das
Restlicht, nicht aber das Licht der Sterne verstärken und wenn das Thema Dobson aufkam,
dann wurde z.B. der Tubus der preisweiteren Modelle als (Originalzitat:) 'gewickelte
Klorolle' bezeichnet. Ich habe mich trotzdem für ein 8"-Dobson mit Sonotube-Tubus
entschieden. (Man beachte das oberste Bild - der Metalltubus hat einen scharfen Knick. Das
wäre mit Sonotube nicht möglich!) Der erste Eindruck:
Wow!!!!! Und plötzlich ist der Himmel voller Sterne! Hätte ich geahnt, daß so ein
Lichteimer so viel mehr zu zeigen vermag, ich würde eine noch größere Öffnung gewählt
haben.
Heute weiß ich, woraufg es ankommt: Öffnung und Stabilität. Je
größer die Öffnung, desto mehr Licht und desto tiefer der Blick ins Weltall. Bei der
Dobson-Montierung gibt es auch nichts, das irgendwie Wackeln könnte. Das Ding steht
bombenfest und ist trotzdem sehr leichtgängig nachzuführen (letzteres allerdings
nur modifiziert).
|
zurück
zur Startseite
|