Thema: Lehrgeld

Schrott02B.jpg (14203 Byte)

Angefangen hat alles Mitte der 90er Jahre mit dem Versuch eines Einstiegs in die Astronomie. Natürlich sollte das alles erst mal nicht viel kosten und so versuchte ich es mit einem kleinen Refraktor, dessen Wackelstativ keine Scharfstellung zuließ und dessen Optik nicht viel mehr als ab und zu einen verwaschenen Fleck am Himmel zeigte. Dann kam ein 4,5" Reflektor, dessen Stativ etwas besser war, dessen Optik aber auch nicht allzu viel taugte - kurz: ich gewann die Erkenntnis, daß Astronomie kein Hobby ist, das man in der Stadt betreiben kann.

Ein Jahr später versuchte ich es erneut. Aber nachdem diese 'billigen' Geräte mir bewiesen, daß man nur mit einer guten Optik auch ein gutes Bild bekommen kann, war ich geneigt, den teuren Hochglanzprospekten der Teleskop-Industrie eher zu glauben. Und ich machte mich auf die Suche nach einem Kompromiß zwischen Leistung und Kosten.

etx3small.jpg (14689 Byte)

Wenn auf der bunten Verpackung eines 10cm-Kaufhaus-Teleskopes steht, daß man damit problemlos bis zu 500fache Vergrößerungen benutzen könne, dann meinen die Astronomen lächelnd (und wissend), daß man Werbung eben nicht glauben solle. Mir war schon klar, daß maximal der doppelte Öffnungsdurchmesser als sinnvolle   Vergrößerung möglich blieb.

Information ist bekanntlich alles - aber obgleich es eine Menge an Literatur zum Thema Astronomie gibt, findet sich doch kein brauchbarer Einkaufsführer (zumindest ich fand keinen). Also blieb mir nichts anderes übrig, als erst einmal in Prospekte zu investieren - verlangte doch jeder Händler 10 - 15 Mark für sein Infopaket, das dann doch immer nur die gleichen Kataloge enthält.

Auf diesem Weg begegnete ich dem ETX von Meade - und fiel, wie man landläufig sagt, voll auf die Schnauze. Es handelt sich dabei um ein 90mm Maksutow. Wie der billigste Kaufhauslieferant prahlt Meade 'Bei 190x war das Bild immer noch knackscharf. Das Sternbild bei 350x war wie im Lehrbuch.'

Ich will nun nicht behaupten, daß die Optik des ETX schlecht sei - bis zur circa 100fachen Vergrößerung zeichnet das Gerät durchaus scharf. Allerdings ist es mir bisher nie gelungen, damit, wie im Prospekt angekündigt, Rillen auf dem Mond zu erkennen oder gar Details auf dem Mars! Immerhin: gut am ETX ist das Plössel-Okular der Serie 4000 mit 26mm.

Okay, ich wohne in der Stadt, kämpfe meist mit Luftunruhe und richtige Dunkelheit gibt es hier auch nicht. Möglicherweise sieht das alles ganz anders aus, wenn man irgendwo im 'finsteren' Walde beobachten kann. Allerdings - in wirklich dunklen Landgegenden - sieht man (ich!) mit bloßem Auge durchaus deutlich mehr als in der Stadt mit dem ETX, das ich bisher nicht einmal dazu überreden konnte, Doppelsterne vernünftig zu trennen. Wobei noch anzumerken ist, daß die astronomischen Ziele mit dem winzigen 8x21-Sucher ohnehin kaum aufzuspüren sind.

Mir fehlt der Vergleich zu preislich ähnlich gelagerten 90mm-Geräten, aber ich denke nicht, daß die Optik schlecht ist. Die Montierung ist es auf alle Fälle. Die äquatoriale Gabelmontierung hat angeblich Feinbewegungen - ich empfand sie immer als grob und, vor allem im Winter, als äußerst zähgängig. Die batteriebetriebene Nachführung funktioniert auch nur so lange, wie nichts anderes als ein normales Okular das ETX belastet; ist dies der Fall, wird sie ungenau. Meade schlägt vor, das ETX auf ein Fotostativ zu schrauben - geht problemlos. Allerdings wackelt das Ganze dann beim leisteten Windhauch 'wie ein Lämmerschwanz'.

sofi99small.jpg (9571 Byte)

Mir wurde schließlich klar, daß für rein visuelle Beobachtungen die Nachführung eine hübsche, aber teure und in diesem Fall auch unpraktische Sache ist. Ich habe dann das ETX von seiner Gabelmontierung und Nachführung befreit, auf ein 'vernünftiges' Stativ gesetzt und hatte von diesem Tag an wieder Freude an der Astronomie. Wenn so ein Tubus erst mal nicht mehr wackelt, ist er fast ein 'richtiges' Teleskop :-)

Ich würde heute keinem Einsteiger zu einem ETX raten; für das Geld bekommt er durchaus bessere Teleskope. Als Zweitgerät aber ist es bestimmt mehr als nur brauchbar. Die kompakte Bauform und das leichte Gewicht erlauben es, das ETX mit aufs freie Land zu nehmen und ohne große Umstände dort aufzubauen. Das geht sogar mit dem von mir verwendeten Stativ.

Disco_small.jpg (15761 Byte)

1999 wagte ich dann einen weiteren Versuch, um endlich Sterne sehen zu können. Ich hatte genug 'Lehrgeld' bezahlt und wußte, daß mich weder Billig-Teleskope noch die Versprechungen der Kataloge meinem Ziel näher bringen konnten. Ich hörte mich um, auch in einschlägigen Newsgroups. Dort hieß es dann meist, daß ein 'guter' Reflektor das einzig Wahre sei. Große Öffnungen würden in der Stadt nur das Restlicht, nicht aber das Licht der Sterne verstärken und wenn das Thema Dobson aufkam, dann wurde z.B. der Tubus der preisweiteren Modelle als (Originalzitat:) 'gewickelte Klorolle' bezeichnet. Ich habe mich trotzdem für ein 8"-Dobson mit Sonotube-Tubus entschieden. (Man beachte das oberste Bild - der Metalltubus hat einen scharfen Knick. Das wäre mit Sonotube nicht möglich!)

Der erste Eindruck: Wow!!!!! Und plötzlich ist der Himmel voller Sterne! Hätte ich geahnt, daß so ein Lichteimer so viel mehr zu zeigen vermag, ich würde eine noch größere Öffnung gewählt haben.

Heute weiß ich, woraufg es ankommt: Öffnung und Stabilität. Je größer die Öffnung, desto mehr Licht und desto tiefer der Blick ins Weltall. Bei der Dobson-Montierung gibt es auch nichts, das irgendwie Wackeln könnte. Das Ding steht bombenfest und  ist trotzdem sehr leichtgängig nachzuführen (letzteres allerdings nur modifiziert).

 

  zurück                 zur Startseite