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Zyklus der Nebelreiche - Band 30

ein Roman von Renate Steinbach

 

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Kapitel 17



Bakhir verbrachte den ganzen Abend bei Alessa und verließ sie erst, als ein Page kam, um ihm eigene Gasträume anzuweisen. Er wusste, dass Naphara dies veranlasste. Ihre Sorge galt dem jüngsten Bruder, ihre Aufmerksamkeit Harkym. Dass sie trotzdem an ihn dachte, gefiel ihm sehr.

Das Frühmahl teilte er mit Alessa, die ihr Bündel schon gepackt hatte. Als er sie darauf ansprach, meinte sie nur:

   „Die Fürstin will, dass ich gehe, wie mir ein Bote ihres Sohnes mitteilte.“

   „Welchen Sohn meinst du?“ erkundigte er sich, das Du weiter verwendend, zu dem sie in der vergangenen Nacht übergingen.

   „Krystan natürlich.“ Alessa lachte leise. „Harkym hat mich nicht beachtet.“

   „Das wird er noch tun,“ versprach Bakhir nachdrücklich.

Aber die Hexe wehrte vergnügt ab.

   „Ich hatte nicht die Absicht, hier zu bleiben. Ich hätte mir nur gewünscht, mich von Naphara verabschieden zu können. Aber der Than lässt sie wohl nicht aus seiner Nähe.“

Das klang bedauernd. Aber sie wollte sich auch nicht aufhalten lassen, egal, was Bakhir dagegen sprach.

   „Ich begleite dich ein Stück des Weges,“ beschloss er darum. „Harkym kann ich hier ohnehin nicht helfen und auf ein paar Stunden kommt es nicht an.“

Alessa gefiel dies. Wenig später verließen sie den Besitz und wanderten plaudernd übers Land.


Der Page fand Harkym früh am Tag bereits angekleidet, als er zum Frühmahl mit der Familie lud. Den Weg fand der Than allein, doch als er die Tür zum Speiseraum öffnete, blieb er doch überrascht stehen. Die Mutter, Krystan, Naphara und auch Micaal warteten hier auf ihn, nickten ihm grüßend zu. Doch auch sein Bruder Uhray saß mit am Tisch.

Jahre vergingen, seit sie sich sahen. Der Bruder hatte immer Schwierigkeiten mit dem Amt Harkyms; es gab stets Spannungen und meist blieb auch Entfremdung zwischen ihnen. Er lebte in Sarai im Tempel des dunklen Gottes als Freund des dortigen Falls Dionas. Uhray hatte die erste Weihe empfangen. Er erstrebte niemals ein Mehr und war gewiss kein starker Priester. Für Dionas bedeutete er eine große Hilfe bei der Verwaltungsarbeit, vor allem wurzelte die Freundschaft dieser beiden Männer tief.

Einzig Uhray erhob sich bei Harkyms Eintreten. Er wandte sich dem Bruder zu, dann überkreuzte er die Arme vor der Brust und kniete nieder. Es wäre auch zur völligen Unterwerfung gekommen, wenn nicht Harkym rasch einen Schritt getan und ihm so den Raum hierzu genommen hätte.

   „Die Götter sind mit dir.“ Während Harkym sprach, griff er nach den Händen des Bruders und hob ihn auf. Uhray lächelte etwas unsicher. „Ich wusste nicht, dass du auf Minas bist.“

   „Uhray kam gestern sehr spät hier an,“ gab Naphara die Erklärung. „Sein Falla schickt Mesa-Blätter durch ihn.“

   „Ich freue mich sehr, dich zu sehen, Bruder,“ versprach der Than.

Uhray entzog ihm die Hände. Als Priester grüßte er seinen Than, als Bruder sah er ihn nun offen an. In dieser Stunde herrschte etwas von der Vertrautheit, welche sie früher füreinander besaßen. Sie nahmen Platz.

   „Wo ist Bakhir?“

Die Frage galt Naphara, denn Harkym vertraute darauf, dass die Schwester sich um seine Begleitung kümmerte.

   „Er wurde gut versorgt,“ versprach sie freundlich.

   „Aber er soll nicht mit uns speisen?“ erkundigte er sich nachdenklich. „Wo ist er?“

   „Er ist nicht hier,“ gab Krystan die Antwort. „Er hat vor einiger Zeit das Haus verlassen. Ich nehme an, er begleitet diese Hexe.“

Das klang abfällig und ein wenig zornig. Harkym sah ihn sehr lange an, ehe er erwiderte:

   „Wenn Bakhir sie geleitet, muss sie eine sehr besondere Frau sein. Und wenn sie das ist, hätte er sie zu mir gebracht. Da dies wohl nicht möglich war, wurde ihr zu Gehen befohlen.“

Er füllte seine Schale, aß und schwieg. Nun herrschte eine etwas bedrückte Stimmung. Uhray, der vom Geschehen des vergangenen Tages nichts wusste, stellte Fragen. Und Krystan erzählte ihm, wie er Alessa bedrohte, wie sie sich wehrte und alles, was sonst geschah.

   „Mutter wollte, dass sie geht,“ rechtfertigte er sich am Ende. „Sie hätte schon gestern gehen müssen. Sie ist eine Hexe.“

   „Das klingt verächtlich,“ staunte Uhray. Kurz schaute er zu Harkym, lange zu Naphara, ehe er anfügte: „Vielleicht hätte sie Tharan helfen können, wo doch weder Priesterschaft noch Magie ihn retten kann.“

Während Krystan bei diesen Worten verkrampfte, weinte Aniela, die ohnehin nichts aß, leise auf.

   „Ich kann sie suchen gehen,“ bot Micaal nachdenklich an.

Naphara lehnte ab. Sie hatte Alessa auch von Tharan erzählt und blieb überzeugt, dass die Hexe ihre Hilfe anböte, wenn sie denn helfen könnte.


Während die Familie der Fürstin von Minas, Micaal war bei allem mit einbezogen, sich um die Kranken kümmerte und sich gegenseitig in tiefen Gesprächen zu trösten versuchte, wanderte Bakhir mit Alessa über das Land. Ursprünglich wollte er sie nur eine Stunde oder zwei begleiten, doch im Plaudern und sich gegenseitig Öffnen fühlte er sich so wohl, dass er den Rückweg immer weiter hinaus schob.

In den sinkenden Nabeln fanden sie ein einsames Gehöft. Eine der Madigg-Ziegen dort besaß zu wenig Milch für ihre Jungen. Alessa sprach mit dem Tier, zerkrümelte getrocknete Kräuter in dessen Futter, kochte einen Sud, den sie in sein Trinkwasser gab und versprach, dass sich das Problem in Kürze erledigen werde. Als Lohn durften sie im Stall nächtigen; das Wohnhaus war viel zu klein, um Gäste zu beherbergen. Sie erhielten auch ein einfaches Mahl und einen Krug heißen Kräutertee.

Im frisch aufgeschütteten Stroh lagerten sie in der Dunkelheit. Bakhir hatte an diesem Tag viel aus seinem Leben erzählt, vornehmlich aus seiner Kindheit, die er in Wyla verbrachte und später auch von seiner ersten Begegnung mit Harkym, den er damals für einen einfachen Wanderer und danach für einen Priester, bestenfalls Falla hielt. Eben erzählte er, wie sie damals trotz der Kalten Nebel stets sicher die Nacht verbrachten.

   „Bist du müde?“ erkundigte er sich nach einer Pause. „Du bist so still geworden.“

   „Ich denke nach,“ erwiderte Alessa mit leiser Stimme. „Weißt du, ich habe viel über den Than gehört. Aber das scheint ein anderer Mann zu sein als der, den du beschreibst.“

   „Wir können zurück gehen und dann lernst du ihn kennen,“ bot Bakhir gelassen an.

   „Das wäre nicht gut.“

   „Und warum nicht? Mich bereichert seine Freundschaft jedenfalls sehr.“

   „Aber er nimmt Einfluss auf dein Leben. Du sagtest, du bist gewandert. Aber nun lebst du in einem festen Heim. Du bist vermögend geworden und wahrscheinlich sogar voll Einfluss auf das Leben anderer. Hattest du das so gewollt?“

   „Nein, ich wollte es nicht,“ gab Bakhir mit ruhiger Stimme zu. „Mir gefiel mein Leben als Tagelöhner und ich wollte nie etwas anderes sein. Doch mein Gefährte Selim – habe ich dir von ihm erzählt? – wurde statt meiner verwundet und kann die Schulter nicht mehr bewegen. Um seinetwillen wurde ich sesshaft, nicht, weil Harkym es wollte. Harkym hat es nur ermöglicht und alle Not von uns abgehalten.“

Alessa richtete sich etwas auf.

   „Er hat dir nie gesagt, was du tun sollst?“ vergewisserte sie sich.

Bakhir überlegte, ehe er leise lachte. Es gab schon Gelegenheiten, wo Harkym ihn anwies, sich auf gewisse Weise zu verhalten. Davon sprach er, doch dies waren in seinen Augen stets Nichtigkeiten.

   „Du solltest ihn wirklich kennenlernen,“ schloss er endlich.

   „Ich denke darüber nach,“ versprach Alessa, die nun schlafen wollte.


Am andern Tag zogen sie weiter. Alessa erzählte aus ihrem Alltag und Bakhir staunte ein wenig, als er nun erfuhr, wie das Volk den Hexen begegnete. Sie erfuhren dasselbe Misstrauen wie die Magier, nur fürchtete man sie viel weniger und nahm ihre Dienste bereitwilliger in Anspruch. Man sah keine Gefahr in ihnen, aber man konnte sie auch nicht einordnen und hielt deshalb lieber Abstand.

Der Tag erreichte seinen Höhepunkt. Bakhir wurde unruhig, sah sich immer wieder um.

   „Was suchst du?“

   „Ich hoffte auf eine Siedlung,“ gab er zu. „Eine warme Mahlzeit wäre jetzt gut.“

Alessa lachte vergnügt.

   „Dann mach Feuer,“ schlug sie vor.

Sie ignorierte seinen skeptischen Blick. Da ging er beiseite. In der Nähe fand sich niederen Gehölz und dort abgestorbene Äste. Es kostete ihn Mühe, das Feuer zu entfachen, doch endlich züngelten die Flammen.

Alessa nahm einen kleinen Stock, stocherte in der Nähe im Erdreich und lockerte es. Dann erst bückte sie sich, um wenig später mehrere große, unterirdisch wachsende Pilze zu bergen, die sie danach ohne Umschweife in die Flammen warf. Kurz danach reizte schon verführerischer Duft den Gaumen. Mit dem Stock angelte Alessa die verbrannten Pilze aus den Flammen.

   „Du musst sie aufbrechen,“ erklärte sie. „Im Innern sind sie jetzt gar und sie schmecken köstlich.“

Dem konnte er nicht widersprechen.

   „Wie konntest du die Pilze finden?“

Sie lächelte, ehe sie antwortete:

   „Ich habe der Erde gesagt, dass wir Hunger haben und sie ließ mich spüren, wo wir Nahrung finden.“

   „Und wenn du ihr sagst, dass du in Gefahr bist, kommen Rabenvögel und Fliegen?“
Alessa lachte auf.

   „Ja, so in etwa ist es wohl,“ erwiderte sie vergnügt. „Zum Ausgleich komme ich gelaufen, wenn zum Beispiel eine Onik um Hilfe ruft.“
Bakhir lachte mit ihr. Alessa gefiel es, dass er nicht tiefer in sie drang und versuchte, ihr Sein zu verstehen. Er akzeptierte einfach, dass sie die Wirklichkeit so schaute und in ihren Alltag einbezog.


Sie zogen weiter. Ab und an dachte Bakhir an den Rückweg, der ja immer weiter wurde. Doch jedes Mal schob er den Gedanken von sich. Alessa besaß kein Ziel. Sie wanderte einfach und wenn irgendwo der Weg sich gabelte, hielt sie kurz wie lauschend inne und entschied sich danach für eine Richtung. Wenn sie auf Menschen trafen, wurde meist ihr Dienst benötigt und sie half gegen geringen Lohn, den sie nie forderte und der immer freiwillig gegeben wurde. Bakhir trat dann einfach beiseite und sah ihr zu. Was sie mit Kräutern, Pulvern und Amuletten tat, wirkte auf ihn wie die Zauberei, die es war. Die Kräfte, die sie so aufeinander einstimmte, wirkten in Harmonie. All dies geschah ohne Macht und Gewalt. Er verstand durchaus, dass dies mit Magie nicht verwandt sein konnte und auf ganz anderer Ebene wirkte.

   „Wo kommst du eigentlich her?“ erkundigte er sich arglos, während sie durch das Land wanderten.

   „Aus Amarra,“ kam die ruhige Antwort.

Bakhir verhielt den Schritt und starrte sie entgeistert an, was ihr ein leises Lachen entlockte.

   „Du bist Priesterin?“

Alessa lachte wieder. Es war ein freundliches, offenes Lachen ohne jede Abwertung.

   „Ich wurde dort geboren,“ erzählte sie. „Aber bleiben kann dort nur, wer sich zur Priesterschaft berufen fühlt. Also musste ich das Land verlassen. Der Tempel des Friedens in Moras nahm mich als Helferin auf. Aber es gefiel mir dort nicht. Also zog ich weiter. Ich blieb ein paar Jahre in Moras. Das Land ist stark dort, die Erde sehr ursprünglich und wirksam. Nun ja, seither ziehe ich umher und raste, wo es mir beliebt. Aber ich bleibe nirgendwo lange.“

   „Und du vermisst Amarra nicht?“

   „Kennst du dieses Land?“

   „Ich bin einmal dort gewesen,“ gab er zu.

   „Und dann fragst du? Möchtest du dort leben?“

Bakhir zuckte nur mit den Schultern zur Antwort. Darüber dachte er niemals nach. Es gab vieles dort, das ihm nicht gefiel und manches, das ihn bezauberte. Aber er stand nie vor der Wahl und so erschien es ihm müßig, darüber auch nur nachzudenken.

   „Hast du beim Tempel gelebt?“ erkundigte er sich.

Alessa verneinte.

   „Meine Mutter starb, als ich gerade ein Jahr alt war. Ich kann mich nicht an sie erinnern. Ich wuchs in einem Kinderhaus auf. Den großen Tempel habe ich nie gesehen.“

   „Und den Than also auch nicht,“ grinste er im Erinnern an den langen Blick, den sie Harkym gab. „Du wolltest ihm nicht begegnen, weil du Erinnerungen an deine Kindheit fürchtest?“

Die Freundin lachte vergnügt.

   „Ich will nicht, dass er mein Leben beeinflusst,“ schränkte sie ein. „Ich fürchte, er würde genau dies tun. Er hat meine Mutter gekannt.“ Bakhir verhielt den Schritt und sah sie fragend an. „Ihr Name war Insanna. Leider weiß ich fast nichts über sie.“

   „Sie war Erweckerin; eine der Lichtpriesterinnen, welche die Sumpfkristalle aus Moras erwecken, so dass sie sich in Flammende Kristalle wandeln, die Amarra dann teuer in die Reiche verkauft.“ Bakhir sprach ganz langsam. Er suchte in seinen Erinnerungen nach Worten, die Harkym ihm irgendwann auf ihren gemeinsamen Wanderungen gab.

   „Wie ist sie gestorben?“ fragte Alessa da mit leiser Stimme. „Man hat es mir nie gesagt und vielleicht weiß es ja auch niemand.“

   „Harkym war zwölf Jahre alt. Es gab einen Zwist mit dem Than Seymas und er musste Amarra verlassen, wo er einige Tage mit seinem Vater Tibra weilte. Er nahm einen Katamaran. Ob er wirklich auf die Gastinseln wollte, weiß er vermutlich selbst nicht. Jedenfalls kam Sturm auf und zog den Katamaran weit hinaus aufs offene Meer.“ Alessa tastete nach seiner Hand, hielt sie fest. Es war ihre erste Berührung. Bakhir spürte, dass sie nun Halt brauchte. Langsam gingen sie weiter. „Tibra und seine Freunde suchten ihn auf dem Meer. Thyrian, der jetzt auf Minas mit dem Tode ringt, gehörte dazu. Und Insanna ebenfalls. Sie fanden den Katamaran. Aber es gab kein Land und keinen Rückweg mehr.“

   „Was geschah?“

   „Es ist eine sehr lange Geschichte. Harkym erzählte, wie Nodhers Herrscher zur Hilfe kam und der Magier Farrak ihnen beistand.“

Bakhir erinnerte sich nicht mehr an alle Einzelheiten. Doch er wusste noch, dass mit Farraks Hilfe ein Sturmgeist beschworen wurde und dass eine gewaltige Kraft benötigt wurde, um eine magische Verbindung zu schaffen, in der das Finden einer Richtung möglich war. Er erzählte davon und in allem war zu spüren, dass er es nicht verstand.

   „Sie nahmen Thyrians Lebenden Kristall, aus dem er seinen Geist löste. Insanna als Erweckerin fand Zugang zum Geist des Steines.“ Alessa nickte still. Es erschien ihr nicht unmöglich, was sie da hörte. „Sie wussten alle, wie gefährlich es war. Doch ihr Schiff sank; sie mussten handeln. Harkym erzählte mir, wie der Lebende Kristall pulsierendes Licht verströmte, das Tibras Opalsiegel traf und wie Sturmgeister tobten und das Schiff übers Meer jagten. Dann zersprang der Kristall. Deine Mutter brach zusammen. Harkym fing sie auf. Sie versprach ihm, dass er nach Hause käme. Er weinte. Und da sagte sie zu ihm: ‚ Es ist nicht schlimm, zu sterben. Es ist nur ein Durchgang in ein neues Sein. Da ist so viel Licht…‘ Wegen dieser Worte ist er Priester geworden.“

Alessa hielt Bakhirs Hand nun mit fast schmerzhaftem Druck.

   „Was hat Tibra getan?“ wollte sie mit flüsternder Stimme wissen.

   „Er nahm sie in die Arme, küsste sie und sagte ihr, dass er sie liebt,“ kam etwas irritiert die Antwort. Bakhir wandte den Kopf, sah seine Begleiterin von der Seite an. „Denkst du denn, dass…?“

   „Man sagt, Harkym sei ein Tempelkind und Tibra habe ihn nur als eigenen Sohn anerkannt, ohne mit ihm verwandt zu sein,“ überhörte sie bewusst diese Frage.

   „So ist es.“

   „Auf Minas, das ist dann nicht wirklich seine Familie.“

   „Doch, das ist sie.“ Bakhir löste den Griff der Hände. „Für Harkym ist es seine Familie und er wird immer so denken.“

Sie hatten eine Siedlung erreicht. Es gab eine Herberge hier und viele Menschen litten unter der Hitze. Mit einem Mal fehlte die Zeit für Gespräche. Alessa wurde um Hilfe gebeten und sie tat, was sie vermochte, während Bakhir ihr zur Hand ging. Spät erst suchten sie die Herberge auf. Sie speisten zusammen, aber ein tiefes Gespräch wollte nicht mehr entstehen.

   „Lass uns schlafen gehen,“ schlug Alessa endlich vor. „Ich danke dir sehr, Bakhir. Du hast heute viel für mich getan.“ Er winkte ab. Die wenigen Handreichungen, die er leistete, erschienen ihm nicht wichtig. „Du hast mir erzählt, wo und wie du lebst. Ich werde dich besuchen kommen, wenn du es erlaubst.“

   „Das wäre eine große Freude für mich,“ versprach der Mann aus Wyla sofort. „Du bist jederzeit willkommen, Alessa. Aber es ist noch zu früh für einen Abschied. Ein wenig begleite ich dich noch. Wir sehen uns morgen.“


Als Bakhir am nächsten Morgen erwachte, hatte Alessa die Siedlung bereits verlassen und niemand konnte ihm sagen, wohin sie ging. Es lag ein weiter und langer Rückweg vor ihm. Er hatte nicht geplant, überhaupt so lange unterwegs zu sein. Zum ersten Mal überlegte er, ob Minas ihn vermisste; ob Harkym vielleicht ungehalten sei. Rasch schüttelte er diesen Gedanken ab. Wenn jemand ungehalten war, dann Micaal. Er lachte leise auf, denn so wichtig konnte ihm das nicht sein.

Ende Kapitel 17

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